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Hybrides Projektmanagement | 09/2017

«Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.»
(Franz Kafka)

Neben dem klassischen Projektmanagement haben sich weitere Methoden etabliert, wie zum Beispiel agiles Projektmanagement oder eben «hybride Methoden», welche eine Kombination aus klassischen und agilen Methoden darstellen. In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick, was die einzelnen Vorgehensweisen beinhalten und wie sie in passenden Fällen sinnvoll kombiniert werden können.

Auch in der digitalen Welt ist es hilfreich, vor der Abarbeitung von anstehenden Aufgaben zu prüfen, welche Vorgehensweise sich in dem konkreten Fall anbietet. Das klassische Projektmanagement liefert hierzu bereits eine Vielzahl von erprobten Modellen. Über Jahre hinweg hat sich das klassische Projektmanagement stetig weiterentwickelt. Phasenmodelle bzw. Wasserfallmodelle sind in der Zwischenzeit zum Standard im Projektmanagement herangewachsen.

Die wesentlichen Merkmale von Phasen- bzw. Wasserfallmodellen lauten:

  • Die Projektgrenzen und Projektziele adäquat zu definieren
  • Die Projektorganisation und Projektkultur projektspezifisch zu gestalten
  • Projektpläne zu entwickeln und einem periodischen Controlling zu unterziehen
  • Projekte prozessorientiert zu strukturieren
  • Eine spezifische Projektkultur zu entwickeln

Generisch lassen sich solche Phasenmodelle in der unten aufgeführten Form darstellen.

Im Bereich der Softwareentwicklung etablierte sich eine vom klassischen Wasserfallmodell signifikant unterschiedliche Vorgehensweise. Man hatte erkannt, dass sich insbesondere im Entwicklungskontext unter anderem die Ziele von Projekten nicht eindeutig und final definieren liessen. Veränderung muss daher ein integraler Teil der Projektarbeit werden.

An einem Treffen im Jahr 2001, bei dem neue Managementkonzepte für die Softwareentwicklung diskutiert wurden, veröffentlichten Projektmanagement-Experten das «Agile Manifest» (www.agilemanifesto.org). Darin sind die vier Grundprinzipien agiler Softwareentwicklung beschrieben:

Agilität hat im Wesentlichen sechs Dimensionen:

  • Agiles Zielbild
  • Kundenorientierte Organisationsstruktur
  • Iterative Prozesslandschaften
  • Mitarbeiterzentriertes Führungsverständnis
  • Agile Personal- und Führungsinstrumente
  • Agile Organisationskultur

Es stellt sich heraus, dass agile Methoden jedoch nicht für jede Art von Projekten hilfreich sind. Zur Abwägung des Einsatzes von klassischen oder agiler Methoden bietet sich das Cynefin-Framework von Dave Snowden an:

Einfache Aufgabenstellungen sind zur Routine geworden und benötigen kein umfangreiches Projektmanagement. Komplizierte Projekte werden von den meisten Organisationen mit den klassischen Projektmanagementmodellen beherrscht. Im Bereich der Softwareentwicklung spricht man eher von komplexen Projekten, die sich hervorragend mit agilen Methoden wie zum Beispiel «Scrum» bearbeiten lassen.

Aktuell stellt sich die Frage, inwieweit man das Beste aus beiden Vorgehensvarianten miteinander kombinieren könnte. Man spricht in diesem Fall vom sogenannten «hybriden Projektmanagement».

Merkmale eines hybriden Projektmanagements sind:

  • Explizites Bewusstsein für Varianten des Projektmanagements schaffen
  • Agile Verfahren in ausgewählten Phasen des klassischen Projekts (z.B. Realisierung) anwenden
  • Agile Techniken im klassischen Umfeld anwenden (daily scrum meeting, …)
  • Die Projektorganisation und Projektkultur projektspezifisch zu gestalten
  • Anpassung der Führungskultur (VOPA+-Modell)
  • Werte aus dem agilen Umfeld in das klassische Projektmanagement integrieren

Somit ergibt sich für Unternehmen in der digitalen Welt folgender notwendiger Wandel:

  • •Komplizierte Aufgabenstellungen -> Komplexe Aufgabenstellung
  • •Stabilität -> Dynamik
  • •Hierarchie -> Netzwerk
  • •Wettbewerb -> Wettbewerb inkl. Kooperation
  • •Schwerpunkt auf Management -> Schwerpunkt auf Führung
  • •Fremdorganisation -> Selbstorganisation
  • •Misstrauenskultur -> Vertrauenskultur
  • •Fachkompetenz -> Ganzheitliche Excellence
  • •Planungsgetriebenes Projektmanagement -> Agiles Projektmanagement

Das «Water-Scrum-Fall»-Modell

Ein vielversprechender Ansatz für das hybride Projektmanagement ist das «Water-Scrum-Fall»-Modell (Craig Smith, 2015):

In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass es für ein Projekt einen strukturellen Rahmen geben muss. Dieser ist kompliziert und kann mit den etablierten Wasserfallmodellen angegangen werden. Den komplexen Teil des Projektes (Entwicklung) ist dann sinnvollerweise mit agilen Methoden zu bearbeiten. Zusätzlich werden im hybriden Projektmanagement einzelne Techniken aus agilen Modellen erfolgreich integriert.

Beispielhaft könnte dies sein:

  • Anforderungsaufnahme und Priorisierung (Product Backlog, Kano Analyse, User Story, Refinement)
  • Agile Kommunikation (Daily Standup Meeting)
  • Schätzmethoden (Planning Poker, Team Estimation Game)
  • Kollaborative und kooperative Zusammenarbeit (Scrum Board)
  • Neue Führungsmodelle (VOPA+)
  • Selbststeuerung von Teams (Crossfunctional Teams, Definition of done)
  • Angepasste Fortschrittskontrolle (Burn Down Chart)
  • Starke und zeitnahe Einbindung der Kunden (Review, Demo)
  • Hohe Selbstreflektion und Bereitschaft zum «Lernen» (Retrospektive)
  • ...

Fazit

Dogmatische Projektmanagement-Ansätze haben ausgedient. Ein Projektmanagement mit einer flexiblen und agilen Herangehensweise sowie einer ausgeprägten Kundenorientierung verspricht in der digitalen Welt ein realistischer Erfolgsfaktor zu sein. Es hat sich jedoch noch kein finales hybrides Projektmanagementmodell etabliert und es stellt sich natürlich auch die Frage, ob es dieses überhaupt geben kann. Testen wir also neue Wege und lernen aus den Erfahrungen.

«Viele verfolgen hartnäckig den Weg, den sie gewählt haben, aber nur wenige das Ziel.»
(Friedrich Nietzsche)

Bleiben Sie interessiert.